I.C.M Acoustics

 

Informationen über akustische Gitarre und Musik.

 

Folgende Tonhölzer werden bevorzugt im Gitarrenbau verwendet

  • Die Decke
  • Boden und Zargen

Die Decke

Die Decke ist der wichtigste Teil jeder Gitarre. Sie prägt enorm den Klang und besitzt Einfluss auf den Ton und die Lautstärke.

Massiv: Die Decke besteht in ihrer gesamten Dicke aus einem Stück. Die Decke muss nicht über die gesamte Breite an einem Stück bestehen. Sie wird in der Regel aus zwei in der Mitte zusammengefügten Hälften gemacht (bookmatched), spiegelbildlich verleimt.

Gesperrt: Diese bestehen aus dünnen Holzschichten zusammengeleimt. Man sagt auch laminierte Decke.

 

Aus Akustik Gitarre:  Ausgabe 3/15 Seite 48 (Zeitschrift ist ein Muss für akustische Gitarren-Freaks)

Qualitätsabstufungen:

Master:gerader, sehr regelmäßiger und feiner Jahrringaufbau, einheitliche Farbe

AAA: gerader, feiner Jahrringaufbau, nicht ganz so regelmäßig wie Master, einheitliche Farbe

AA/AAA: feiner Jahrringaufbau, zum Rand hin etwas breiter, leichte Farbveränderungen möglich

AA: feiner bis mittlerer Jahrringaufbau, Farbveränderungen und leichte Wellen möglich

A: mittlerer Jahrringaufbau, Farbveränderungen und leichte Wellen möglich

B: geeignet für Versuchsmodelle

 

1. Fichte:

 sitka fichteFichte, das bevorzugte Holz für die Decke.

Am meisten verbreitet ist die Sitkafichte aus dem Norden der USA. Die Sitka Fichte, bemerkenswert stabil, produziert einen klaren und hellen Ton und verträgt auch einen kräftigen Anschlag, hervorragend für Westerngitarren wie Dreadnoughts und im Bluegrass Stil (Flatpicking) gespielt.

Engelmannfichte, auch aus Nordamerika, ist weicher als die Sitkafichte. Es ist für Fingerstyle-Spieler besser geeignet, es produziert auch ohne harten Anschlag einen warmen und offenen Klang.

Adirondackfichte wächst im Osten der USA, ein begehrtes Tonholz der Flattop-Spieler. Steif wie Sitka, jedoch heller im Farbton. Dieses Tonholz ist sowohl bei Flat- wie auch Fingerstyle Pickern beliebt.

Europäische Fichte, im Konzertgitarrenbau immer noch die Nummer eins, ähnelt sehr der Engelmannfichte, ist aber härter und steifer als Sitka. Es eignet sich ideal für jede Spielart.

Meine Lowden Gitarre (Aus Irland stammend) besitzt eine Decke aus deutscher Alpenfichte. Für George Lowden ein favorisierendes Lieblings-Deckenholz.

 

2. Zeder:

zederZeder ist sowohl für klassiche Konzertgitarren wie auch bei Stahlsaiten Gitarren ein beliebtes Deckenholz. Zedernholz besitzt einen warmen, rötlichen Farbton, ist weicher und elastischer als Fichte. Sensibel in der Ansprache, benötigt nur eine kurze Einspielphase. Während sich der Ton bei Fichte mit der Zeit noch entwickelt (Gitarren klingen, wenn sie oft gespielt werden dann besser), ist er bei Zeder von Anfang an da (keine Einspielzeit).  Zeder ist eher bei Fingerstyle-Technik beliebt, bei Flatpicker und Bluegrass kaum.

 

 

 

 

3. Mahagoni:

Sowohl im Deckenbereich als auch beim Boden der Gitarre kommt es zum Einsatz. Ist die Decke aus Mahagoni, ist auch der Boden meist aus Mahagoni. Martin hat mit den 15-Series Modellen voll Mahagoni Gitarren im Angebot. Obwohl Mahagoni technisch zu den Harthölzern gehört, ist es leicht und weich genug, um als Decke im Stahlsaitenbereich eingesetzt zu werden. Der gelieferte Ton ist sustainreich, warm und ausgewogen, mit dezenten Höhen und singenden Obertönen.

Meine Martin Dreadnought Gitarre besitzt Sitka Fichte als Decke und Mahagoni als Boden, voluminöser Klang, aber eher geeignet für Flatpicker, Blues, Bluegrass, Bottleneck Style oder Rhythmus. Setzt sich durch den lautstarken Klang ganz gut durch (Boom, Boom). 

 

4. Koa:

koaKoa kommt aus Hawaii. Es kommt sowohl im Decken- als auch Bodenbereich zur Verwendung. Wenn Koa-Decke, dann meist auch Koa-Boden. Taylor, Martin und vor allem bekannt von James Goodall Gitarren. Es besitzt eine intensive Maserung, sieht exotisch aus, klarer Klang mit ausgeprägten Mitten.

 

Boden und Zargen

Auswahl findet häufig nach Festigkeit, Stabilität, Schönheit und vor allem der Klangcharakteristik statt.

Unterschiedliche Holzarten ergeben unterschiedliche Klangfarben.

Palisander ist das beliebteste Holz, auch Mahagoni (Favorit für Leo Kottke), Ahorn mit überwältigter Mehrheit bei Hersteller von Archtops.

George Lowden (Gitarrenbauer aus Irland) sieht auch Wallnuss als besonders geeignet.

1. Mahagoni:

mahagoniHeller, rötlicher Farbton, feine Maserung, sieht wirklich ansprechend gut aus. In der Regel kommt es aus Mittelamerika. Brillanter klarer Ton, exzellente Höhen, schnelle Ansprache. Gut geeignet für volumige Gitarren wie Dreadnought oder Jumbo. Bei Archtops kommt es selten vor.

Es ist billiger als Palisander, aber nicht schlechter. Hersteller verwenden daher Mahagoni meist (Ausnahmen im Gitarrenbau gibt es aber) bei den billigeren Modellen. Es ist im Stahlsaitenbereich (Steelstring) aber hoch geschätzt. Martin D-18 und Gibson J-45 sind bekannte Modelle, auch die Leo Kottke Jumbo von Taylor.

Meine Martin Dreadnought besitzt Nordamerikanische Sitkafichte als Decke und Mahagoni als Boden. Die Rückseite (der Boden) ist eine Augenweide, feingemasert und Rotbraun.

2. Indischer Palisander:

palisanderFarbton ist von Dunkelbraun über Rötlicbraun bis ins Dunkelviolette. Die Maserung verläuft meist gerade. Nach Ausfuhrverbot von Rio-Palisander ist es nun (ab 1960) zum Standard Palisander aufgestiegen. Davor war Rio das Maß aller Dinge. 

Hohe Dichte und Festigkeit, volle Tiefen, klare Höhen. Bei Archtop-Gitarren kommt es fast nie zum Einsatz.

Es wird vorzugsweise für die Fertigung von Böden und Zargen verwendet und sorgt hier für drückende Bässe und brillante Obertöne.

Meine Lowden Midi-Jumbo (F35) besitzt deutsche Alpenfichte als Decke und Indischer Palisander als Boden.

 

 3. Rio-Palisander:

palisanderFarbton von Grauschwarz über Dunkelbraun bie zu hellem Schokobraun, faszinierende Maserstruktur. Tiefes Bassfundament und strahlende Höhen im Tonumfang.

Ab 1992 ist Rio-Palisander verbotene Handelsware zum Schutz der Regenwälder in Brasilien. Man darf nun Rio-Palisander im Gitarrenbau nur noch verwenden, wenn es vor 1992 geschlagen wurde. Dazu ist eine CITES-Bescheinigung erforderlich. Aus diesem Grund sind Gitarren mit Rio-Palisander auch entsprechend teuer.  

Meine im Traum existierende Martin 000-28 besitzt deutsche Fichte als Decke und Rio-Palisander als Boden. Ich kenne sie aber nur aus Träumen.

 

 4. Ahorn:

ahornFarbton ist blass bis gelblich, sieht aber bei der Gitarre gut aus. Weiche, dezente Tiefen, klare aber nicht brillanten Höhen. Meist bei Jumbo Steelstrings in Verwendung, z.B. Gibson SJ-200, Taylor 615 oder Guild J-50. Ahorn wird am meisten bei Archtop-Gitarren als Boden verwendet. 

Ich habe einmal bei Musik Schmitt in Frankfurt (heute Session Music) eine Taylor-GS mit Fichte als Decke und Ahorn als Boden getestet. Super Sound, wirklich. Die Taylor sieht aber auch wirklich blendend aus (Blickfang garantiert).

 

 

 

5. Zypresse:

Farbton ist blassgelb, leichtes Holz trotz Dichte, heller perkussiver Klang. Die erste Wahl für Flamenco-Gitarren. Gerade Maserung, kommt aus Spanien.

6. Koa:

koaFarbton orange-braun, faszinierende Maserung, exotisch im Aussehen, stammend aus Hawaii. Heller und klarer Ton, ausgeprägte Mitten. Gitarrenbauer wie James Goodall, die Santa Cruz Guitar Company aber auch Taylor Guitars haben dem Holz in der Branche eine Beliebheit gegeben. Es wird, obwohl es sehr selten ist, heute von vielen Gitarrenbauern verwendet, weniger in der Massenproduktion.

 

 

 

 

 

7. Walnuss

wallnussFarbton ist mittel- bis dunkelbraun. Klang liegt zwischen der bassigen Fülle von Palisander und dem helleren Ton von Mahagoni. Obwohl auch größere Firmen wie Martin und Taylor diese Holz für ihre Instrumente entdeckt haben, sind es doch meist individuelle kleinere Hersteller bzw. Gitarrenbauer. Walnuss klingt gut und sieht auch gut aus.

Walnut ist mit ein Favorit von George Lowden (Lowden Guitars).

 

 

 

 

 8. Kirsche

Farbton ist blassblond, Klang ähnlich dem Ahorn. Vergleichweise preiswert. Godin aus Kanada verwendet es mit großem Erfolg für ihre billigeren Gitarren.

9. Andere Hölzer:

Es gibt noch viele weitere Holzarten welche für Boden und Zargen sich eignen. Kirsche und Eiche bei nicht teueren Instrumenten.  Aus den Tropenwäldern Südamerikas, Afrikas und Südostasiens werden Tonhölzer verwendet die aber nicht für die Grossfertigung eingesetzt werden, da diese teuer sind. Viele diese Hölzer gehören zur Familie der Mahagonigewächse.

Cocobolo, ein Palisander aus Mexiko und Mittelamerika. Ton ähnlich Rio-Palisander

Sapele, mahagoniartiges Holz.

Ovangkol, mahagoniartiges Holz.